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„Globale Aphasie. Erfahrungsbericht aus langjährigen Sprachtherapien“

erschien in „Neurologie und Rehabilitation“ Heft 4 2017:328-336

Poster Potsdam2017 Schluckstörungen im ambulanten Setting zusammen mit Frau Schirmacher

Bericht aus der Praxis. Therapie bei globaler Aphasie: langfristige Entwicklungen

Frank Ostermann in „Aphasie und verwandte Gebiete“ 1(2016) 41-48  (www.aphasie.org (=Aphasie suisse) siehe unter Fachperson (=Fachzeitschrift).

Die im Poster beschriebenen Verläufe von 30 Betroffenen mit schwerer Aphasie wurden in einem Aufsatz zusammengefasst und deren Entwicklung geschildert. Hervor zu heben ist dabei das „Gespräch als Therapieformat“, dass sich nach etwa 2 Jahren bei fast allen Betroffenen eingestellt und bewährt hat. Bei wenig wird die Therapie abgebrochen, bei wenigen entwickeln sich sprachsystematische Fähigkeiten. Es gibt fast keine Arbeiten zu diesem Thema!

Therapie bei globaler Aphasie: Bericht über mehrjährige Verläufe

Vortrag auf dem 28. BKL Workshop in Mainz 2015

Frank Ostermann (Praxis für Sprachtherapie Dresden)

Die Verläufe von 30 Patienten mit globaler Aphasie, die z.T. über 10 Jahre in ambulanter Praxis betreut werden bzw. worden sind, wurden retrospektiv analysiert. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob sich diese Patientengruppe wirklich nicht wesentlich verbessert und keinen kreativen Sprachgebrauch entwickeln kann (Huber et al. 1982). Die ambulante Sprachtherapie bietet die Chance, über langjährige Betreuung solche Entwicklungsergebnisse zu bekommen. Mit einigen Patienten konnte in meiner Praxis eine über viele Jahre andauernde, kontinuierliche Therapie realisiert werden. Dadurch lassen sich charakteristische Entwicklungen aufzeigen. Eine erste Patientengruppe bleibt ohne weitere Entwicklungschancen. Hier fällt auf, dass basale diagnostische Aufgaben nicht durchgeführt werden können. Dazu gehört die Prüfung auf Aufmerksamkeit, Wortsemantik und konzeptuelle Semantik; ähnlich wie mit der GANBA können aktuelle Verfahren hilfreich sein (Blanken 1996; Glindemann et al. 2002). Die meisten anderen Patienten bewältigen diese Aufgaben weitgehend fehlerfrei bzw. verbessern im Verlauf ihre Leistungsbilanz. Diese zweite, große Gruppe gewinnt überwiegend in der Verständigung, wenn in der Therapie ein „Gesprächsformat“ konsequent umgesetzt wird. Eine gezielt eingesetzte Kompensation durch die Therapeuten erleichtert den Patienten eine allmähliche Übernahme verschiedener Mittel: Kommunikationsbuch, Gestik, Zeichnungen. Dabei lässt sich leider keine Präferenz für ein kompensatorisches Mittel ableiten. Die Wahl bleibt sehr individuell und ist von den Angehörigen bzw. der Umgebung abhängig. Es kann sich daraus auch eine partielle Zufriedenheit des Patienten entwickeln. Sehr wenige erlangen über die kompensatorischen Mittel eine kommunikative Selbständigkeit (Ostermann 2014).
Eine kleine, dritte Gruppe von Patienten kann nach 2-3 Jahren Fortschritte in ihrem Sprachvermögen erreichen. An 2 Patienten soll diese Entwicklung illustriert werden. Dabei kommt der Schriftsprache eine wichtige Rolle zu. Ihre möglicherweise autonome Stellung in der Aphasiologie ist zu diskutieren (Friederici 1984). Außerdem ist der Einfluss einer manifesten Sprechapraxie zu berücksichtigen, die sich erst nach sehr langer Zeit auflösen lässt. Insofern lässt sich bei einigen Patienten ein aktiver Sprachgebrauch erreichen. Die Ergebnisse unterstreichen eine gezielte und langjährige therapeutische Therapie für Patienten mit globaler Aphasie.

Vortrag (ein zusätzliches Poster stellt die Daten vor)

Literatur:
Blanken, G.: Wortbedeutung. Hofheim 1996: NAT Verlag
Friederici, A.: Neuropsychologie der Sprache. Stuttgart 1984: Kohlhammer
Glindemann, R. et al.: Bogenhausener Semantik Untersuchung. Elsevier 2002: Urban&Fischer
Huber, W. et al.: Aphasien. In: Poeck Neuropsychologie. Stuttgart 1982: Thieme
Ostermann, F.: Gespräche mit Menschen mit globaler Aphasie. In: ders. (Hg.) Ohne Worte. Sprachverarbeitung und Therapie bei globaler Aphasie. Köln 2014: Prolog (2. Auflage)
Van Mourik et al. GANBA. In: Aphasiology 5(1992) 491-499


Leipzig 2015

Aphasietherapie aktuell: methodisches Vorgehen, Ergebniskontrolle und praktische Tipps

Frank Ostermann, Praxis für Sprachtherapie, Dresden

Mit meinem Seminar möchte ich die tägliche sprachtherapeutische/logopädische Arbeit reflektieren und durch einige neuere Vorschläge ergänzen. Wie sollte die Therapie bei aphasischen Symptomen aufgebaut und für den Patienten optimal organisiert werden? Grundlage für mein Seminar bildet die sprachtherapeutische Mikrostruktur (Aufgabe -> Hilfestellung -> Lösung) für eine Übungsbehandlung sowie die systematische Auswahl von Material und geregelter Wiederholung. Die verschiedenen Aspekte werden mit Beispielen erläutert. Diese Vorgehensweise entspricht vielen modernen Therapiestudien (u.a. Stadie 2006).

Dieser Arbeitsweise, die vermutlich überwiegend im sprachtherapeutischen Alltag zu finden ist, wird das Konzept des Fehlerfreien Lernens entgegengestellt werden. Statt Versuch-und-Irrtum soll ein möglicher Fehler des Patienten schon im Ansatz unterbunden werden (Busch/Heide 2012). Der Übungsaufbau ist so zu modifizieren, dass zuerst immer das Zielitem genannt wird und allmählich die Vorgabe oder Hilfen abnehmen.

Mein drittes Thema sind die SMART Regeln, die über die Forderung der WHO zur Teilhabe in die Therapie getragen worden sind (u.a. Coopmanns 2007). Ein Übungsschwerpunkt wird in einen für den Patienten relevanten Rahmen verpackt und überprüft. Die Vorgehensweise möchte ich an einem Beispiel kritisch illustrieren. Das Seminar wendet sich an alle Sprachtherapeuten/Logopäden in der ambulanten Praxis und versteht sich als Auffrischung des therapeutischen Handwerkszeuges.

Busch, Heide (2012) Fehlerfreies Lernen als Methode in der Aphasietherapie. In. Sprachheilarbeit 2:79-88

Coopmanns (2007) Alltagsrelevante Aphasietherapie. In. Forum Logopädie 1:6-13 Stadie (2006) Der Wirkung auf der Spur: Von der Planung zur Durchführung. In: Aphasietherapie zeigt Wirkung. dbs Symposium 2006, Köln: Prolog


Poster BKL Workshop Mainz 2015 zur „Therapie globaler Aphasie“ geplant


„Ohne Worte“ ist gerade in 2. Auflage erschienen


Poster BKL Workshop Salzburg 2014 „Arbeit trotz Aphasie“ (S. 23)


Poster BKL Workshop Bochum 2013 zur Langzeittherapie


Praxisübernahme seit 1.1.2013: Logopädische Praxis Frank Ostermann in der Fetscherstr. 72